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- Montag, 06. September 2010 06.09.10 07:11
- Alter: 2 Jahre
FH-Professor in Jordanien
Soziale Marktwirtschaft als Exportartikel?
Könnte die deutsche „soziale Marktwirtschaft“ ein attraktiver Exportartikel für ein arabisches Schwellenland wie Jordanien sein – oder sollte sich das Land besser an dem kapitalistischen System anglo-amerikanischer Prägung orientieren? Zur Beantwortung dieser Frage hatten die Konrad-Adenauer-Stiftung und die Deutsch-Jordanische Universität (GJU) im Frühsommer mehr als 50 Teilnehmer aus Wirtschaft und Wissenschaft nach Amman eingeladen. Als einer der Referenten unterstützte Professor Marc Piazolo vom Fachbereich Betriebswirtschaft des FH-Standortes Zweibrücken die Kollegen der jordanischen Partnerhochschule.
In seinem Impulsvortrag stellte Piazolo die Erfahrungen Deutschlands mit dem Wirtschaftssystem der „sozialen Marktwirtschaft“ vor. Auf den ordnungspolitischen Arbeiten der „Freiburger Schule“ basierte die von Ludwig Erhard initiierte Währungsreform (1948), die Preisliberalisierung sowie die internationale Öffnung der deutschen Wirtschaft im Rahmen einer strengen Wettbewerbsordnung. Zusammen mit einer sozialen Absicherung und einem gewissen Maß an Umverteilung legte die „soziale Marktwirtschaft“ den Nährboden für das Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit. Kritisch merkte Piazolo an, dass in den 1970er und 80er Jahren der Sozialstaat über die Maßen ausgebaut und die Eigenverantwortlichkeit des Einzelnen – hierzu gehört auch die soziale Verantwortung der Unternehmer – zurückgedrängt wurde. „Schröder’s Agenda 2010 kann wiederum als Revitalisierung der sozialen Marktwirtschaft interpretiert werden“, so der in Freiburg ausgebildete Ökonom. Insbesondere die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt und die international vergleichsweise rasche wirtschaftliche Erholung in diesem Jahr machen das deutsche Wirtschaftsmodell aus Sicht jordanischer Teilnehmer für ihr eigenes Land interessant. Die Chancengleichheit beim Zugang zu Bildung und Knowhow – z.B. über ein gebührenfreies Studium und staatlichen Stipendien – ist langfristig entscheidend für Jordanien, nicht zuletzt deshalb, da das Land über keine nennenswerten Rohstoffvorkommen verfügt und es von großen Einkommensunterschieden gekennzeichnet ist. Die Palästinenser stellen fast die Hälfte der Bevölkerung, so dass der Palästinakonflikt im täglichen Leben immer präsent ist.
Mit den Liberalisierungs- und Privatisierungsmaßnahmen der vergangenen Jahre sehen auch Piazolos Kollegen, Professor Marktanner von der American University of Beirut und Dr. Al-Ja’fari von der Deposit Insurance Corporation, die Wirtschaftspolitik Jordaniens auf dem Weg zu einer gut funktionierenden Marktwirtschaft. Der gewählte Tagungsort, der nach dem Stifter Talal Abu Ghazaleh College of Business benannt ist, sowie die staatliche Unterstützung für Deutsch-Jordanische Hochschule (GJU) können gleichzeitig als Zeichen einer wahrgenommenen sozialen Verantwortung gewertet werden.
In den Workshops beteiligten sich die Teilnehmer – Management-Studierende der GJU im höheren Semester – an Experimenten, die ihr Sozialverhalten offen legten und diskutierten im Anschluss, welche steuer- und ordnungspolitischen Maßnahmen im Rahmen der sozialen Marktwirtschaft am besten ihre von Fairness geprägten Vorstellungen widerspiegeln. Zum Abschluss des zweitägigen Seminars stellten die Teilnehmer Gruppenarbeiten mit eigenen wirtschaftspolitischen Empfehlungen vor. Darin zeigten sie auf, wie der weitere Übergang eines vom arabischen Sozialismus geprägten Wirtschaftssystems hin zu einer marktwirtschaftlichen Ordnung gestaltet werden könnte. Die Vorschläge wurden teilweise kontrovers diskutiert und von einer Expertenkommission bewertet. Den Wettbewerbsgedanken hielten die Veranstalter mit Preisen und Zertifikaten für die Teams hoch.
Professor Piazolo zeigte sich begeistert über das Engagement und die Fachkenntnisse der teilnehmenden Studierenden und freut sich darauf, die Zusammenarbeit mit ihnen in naher Zukunft in Zweibrücken fortsetzen zu können. Einige der Studierenden der jordanischen Partnerhochschule planen nämlich konkret, ihr kommendes Pflichtauslandsjahr in der Pfalz zu verbringen. Auf der anderen Seite dürfte die German-Jordanian University mit ihrem vielfältigen Studienangebot von Biomedizin über Mechatronik bis hin zu Management für eine Reihe von Studierenden der FH Kaiserslautern ein äußerst attraktiver Ort sein, um beispielsweise ein Auslandssemester zu verbringen. Dies insbesondere auch deshalb, als die Lehrveranstaltungen in englischer und auch in deutscher Sprache angeboten werden und zudem Jordanien als „sicheres Land“ gilt und für seine Gastfreundschaft bekannt ist. Das mag auch ein Grund dafür sein, dass zahlreiche deutsche Unternehmen von Jordanien bzw. Amman aus den gesamten Mittleren Osten betreuen.
Infos im Internet:
www.gju.edu.jo German Jordanian University, Partnerhochschule der FH Kaiserslautern
Ihr Ansprechpartner:
Prof. Dr. Marc Piazolo +++ Tel: 06332-914-264 +++ Marc.Piazolo@fh-kl.de
V.i.S.d.P. Prof. Dr. Konrad Wolf, Präsident der FH Kaiserslautern +++ Tel: 0631-3724-100 +++ Mail: praesident@fh-kl.de
Red.: Pressestelle Standort Kaiserslautern ++ Elvira Grub ++ Tel: 0631/3724-163 ++ Mail: elvira.grub@fh-kl.de
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