Biotechnologie und Mikrosystemtechnik sind zentrale Bestandteile der High-Tech-Initiative der Bundesrepublik Deutschland. Darin heißt es explizit:
Zitat: Charakteristisch für die Mikrosystemtechnik (MST) ist die Verknüpfung von Technologien zur Mikrostrukturierung mit System- und Integrationstechniken, wie beispielsweise in der Aufbau- und Verbindungstechnik. Erst durch Mikrosystemtechnik können Bio- und Nanotechnologie in Mikro- und Makroumgebungen integriert werden, um sie "anschlussfähig" und für neue Produkte nutzbar zu machen.1
Aufregende Entdeckungen und zukunftsweisende technologische Entwicklungen entstehen immer häufiger im Grenzbereich traditioneller Grundlagenfächer wie den Naturwissenschaften Physik, Chemie oder Biologie sowie den klassischen Ingenieurswissenschaften wie z.B. Maschinenbau, Feinwerktechnik oder Elektrotechnik. Eine besondere Verstärkung erhält dieser Trend durch die zunehmende Systemintegration, die zu einer Konvergenz der Technologieentwicklungen durch zunehmende Verkleinerung der Strukturgrößen erreicht wird.
Nicht ohne Grund wird von einer modernen Ausbildung erwartet, dass insbesondere auch die interdisziplinären, d.h. fachübergreifenden Inhalte, vermittelt werden. In den beiden Studiengängen Mikrosystemtechnik und Applied Life Sciences (Angewandte Lebenswissenschaften) werden genau diesen Anforderungen Rechnung getragen und ganz explizit interdisziplinäres Wissen und Anwendungen im Grenzbereich der klassischen Wissenschaften behandelt.
1 Zitat zur High-Tech-Innitiative der Bundesregierung; http://www.hightech-strategie.de/de/240.php 1. Feb. 2007
Die Darstellung zeigt, wie aus der Anwendung traditioneller Physik, Biologie und Chemie bei immer kleiner werdenden Strukturabmessungen und Integrationstechniken neuartige und zukunftweisenden Systemen entstehen
(Quelle: VDIVDE-IT, A. Botthof)

Das Bild zeigt eine Multielektroden-Array mit aufgewachsenen Nervenzellen (neuronales Netzwerk). Die von den lebenden Zellen erzeugten elektrischen Signale können über die Mikro-Elektroden erfasst und online ausgewertet werden. Die Mikrostruktur und das Zellsystem stammen aus einem unserer aktuellen Forschungsprojekte am Campus Zweibrücken)
Was ist Mikrosystemtechnik?
"Mikrosystemtechnik ist die Menge aller Techniken und Technologien für den Entwurf, die Herstellung und Anwendung von miniaturisierten Gesamtsystemen bzw. Systemmodulen."
Heuberger (FhG-ISiT, 1994)
Vielleicht haben Sie schon einmal ein Foto eines Mikromotors (oder Zahnrades wie im Bild zu sehen) von der Größe eines Stecknadelkopfes gesehen. Hier wurde ein mechanisches Bauteil mit den lithographischen Fertigungsmethoden der Chipindustrie erzeugt - nur, dass es hier um winzige mechanische Strukturen anstatt von elektronischen Schaltstrukturen geht. Andere Beispiele, mit denen Sie vielleicht schon in Berührung gekommen sind, sind Tintenstrahldruckköpfe oder Beschleunigungsauslöser für Airbags.
Durch die neuen Fertigungsmethoden eröffnen sich völlig neue Anwendungsbereiche vor allem auf den Gebieten der Sensoren (Messfühler) und Aktoren (Stellglieder).
Kein Wunder, dass dieser Technik ein großartige Zukunft vorausgesagt wird!
Was ist Applied Life Sciences?
Das Kürzel steht für einen neuen flexiblen und modular aufgebauten Studiengang. Angewandte Bio, Pharma- und Medizinwissenschaften, oder auf englisch Applied Life Sciences.
Der Studiengang schlägt eine Brücke von den rein akademischen Grundlagen der Naturwissenschaften (Mathematik, Physik, Chemie) zur tatsächlichen Arbeit in einem wissenschaftlichen Labor der Biomedizin oder Pharmazie.
Wer sich für die Arbeit in einem Forschungslabor interessiert, sei es mit medizinischer, biologischer oder pharmakologischer Ausrichtung, muß nicht zwingend Medizin, Biologie oder Pharmazie studieren. Der neue Studiengang konzentriert sich auf das Wesentliche:
Schlüsselqualifikationen, wie Zellkulturtechniken, Proteinchemie oder der selektive Nachweis einzelner Moleküle, werden so vermittelt wie sie in der täglichen Routine gebraucht werden.
Ein solider theoretischer Unterbau liefert die Voraussetzung die z.T. komplexen Techniken und Methoden zu verstehen. Darüber hinaus werden die Technologien die in der Medizin und Pharmazie eine zunehmend größere Rolle spielen, die Mikrosystem- und Nanotechnologie, konsequent in das Curriculum eingebunden. Ergänzt werden die Lehrangebote durch eine ganze Reihe interessanter Wahlpflichtfächer, die von der Neurobiologie bis zur Erfassung von biologischen Messparametern reichen.
Durch das Angebot einzelner frei zu wählender Module lassen sich zwei Schwerpunkte, eine eher biomedizinische, sowie eine mehr pharmakotechnische Ausrichtungen, flexibel gestalten.
Der Studiengang ermöglicht den Einstieg in eine interessante Labortätigkeit, liefert aber gleichzeitig die Grundlage für eine weitere Akademisierung über einen Masterabschluß zur Promotion.